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 "Maritime Kunst aus Malden" 


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Topic, December 2006

von Arie Craanen. Übersetzung : Ralph Kattenbach

Der Maldenser Maler Marco Käller hat sich der maritimen Kunst verschrieben. Das Spiel mit den Elementen, aber auch der Kampf mit Wind und Wasser zieht sich wie ein rotes Band durch seine Werke. Ein Gespräch mit einem vielseitigen und erfolgreichen Künstler über die Kette von Zufällen, die seinen Lebensweg bestimmt haben.

"Ursprünglich komme ich eigentlich nicht aus Malden, sondern bin in Nimwegen geboren”, blickt Marco Käller zurück. "Wir zogen nach Malden, als ich vierzehn war. Mein Vater hatte eine kleine Werbeagentur, ein Ein-Mann-Geschäft. Dadurch kam auch ich auf die Idee, etwas Kreatives zu machen. An die Malerei dachte ich damals überhaupt noch nicht. Ich wollte zur Kunstakademie in Den Bosch, aber meinen Eltern musste ich versprechen, dass ich dort das Fach Öffentlichkeitsarbeit belegen würde. Ich sollte einen richtigen Beruf erlernen, von Kunst wollten sie nichts hören. Ich studierte das Fach, fand die Ausbildung aber eher enttäuschend und brach das Studium nach einem Jahr ab. Daraufhin begann ich eine Art Lehramtsstudium an der Tehatex in Nimwegen. Das gefiel mir schon viel besser, eine gute Ausbildung, konkretere Inhalte und viele Freiheiten zur eigenen Entfaltung. Im Anschluss lernte ich Theaterdesign an der Arnheimer Schauspielschule und bekam nach der Ausbildung einen Job als Bühnen- und Maskenbildner. Daneben arbeitete ich in Teilzeit als Kunstlehrer. In der Zeit entwarf ich vor allem Bühnenbilder für Jugendtheatergruppen und produzierte gemeinsam mit meiner Frau Käthi auch eigene Jugendtheatervorstellungen. Als wir dann eine lehrstehende Porzellanfabrik kauften, hatten wir auf einmal wahnsinnig viel Platz für unser Jugendtheater. Diese Aufführungen führten wir einige Jahre lang fort und wir bekamen viel Anerkennung und entsprechende Unterstützungen von der Kulturförderung Gelderland. Aber dann kam irgendwann die Zeit, wo das Theater nicht mehr zu finanzieren war und der Vorhang zum letzten Mal fiel. Bis dahin war ich allerdings sowieso schon total entnervt vom bürokratischen Verfahren, um Gelder zu beantragen und den peniblen Gemeindebeamten, die sich in alles einmischen mussten."

Am helllichten Tag zu malen, war mir höchst peinlich

Marco Käller beendete seine Theaterperiode und begann Kontakte in der Wirtschaft zu knüpfen. "Ich schuf Kunstobjekte und Malereien als Auftragsarbeiten, ich entwarf Raumgestaltungen und Inneneinrichtungen, wie z.b. individuelle Tresenformen, Gestaltungen von Versammlungsräumen, Showrooms und Ähnliches. Daneben arbeitete ich noch immer mit 12 Stunden pro Woche als Lehrer am Heldring College in Zetten." 1996 begann er mit dem Bau seines selbst entworfenen, kombinierten Wohn- und Atelierhauses am Proefsteen in Malden. Käller: "Ich hatte mir für ein Jahr eine berufliche Auszeit gegönnt, um ein paar Dinge in Ordnung zu bringen und um mich auf meine weitere Richtung und den Weg, den ich zukünftig einschlagen wollte, zu besinnen. Als das Haus schließlich irgendwann fertig gestellt war, wurde mir bewusst, dass hier mein eigentlicher Arbeitsplatz war und dass ich gerne meine gesamte Arbeitszeit in meinem neuen Atelier verbringen wollte. Ich hatte Raum und Zeit, um mich meiner Arbeit zu widmen, nur leider blieben auf einmal die Aufträge aus. Die Baukosten, ein Sabbatjahr ohne Gehalt und ein leeres Auftragsbuch: finanziell gesehen nicht unbedingt eine rosige Zeit. Meine Malerei hatte ich damals auch etwas vernachlässigt. Also begann ich abends und nachts zu malen, weil ich mich sehr genierte, am helllichten Tage einem Hobby nachzugehen, wo es doch beruflich und finanziell alles andere als rund lief. Als ich eine Serie von Bildern abgeschlossen hatte, habe ich gemeinsam mit einem anderen Künstler eine Ausstellung quasi als Einweihung in unserem neuen Heim organisiert. Zu meiner größten Überraschung gingen die Bilder an diesem Wochenende weg wie warme Semmeln. Am nächsten Arbeitstag ging ich zu meiner Schule in Zetten und sagte: ich glaube, nun habe ich gefunden, was ich machen will. Ich kündigte und widmete mich komplett der Malerei."

Marco Käller wuchs in einer Familie auf, in der die Seefahrt eine besondere Bedeutung hatte. Vater Käller genoss es, auf Flüssen und Kanälen zu sein und war aktiver Ruderer. Vor kurzem fand er noch ein paar alte Zeichnungen von seinem Vater, denen er im Andenken einen zentralen Platz in seinem Haus eingeräumt hat. Auf einer dieser Zeichnungen ist die damalige Anlegestelle des Rudervereins zu sehen. Selber war Käller seit jeher ein begeisterter Segler und der Segelsport spielt auch heute nach eine wichtige Rolle in seinem Leben. "Ich brachte eher unbewusst maritime Motive auf die Leinwand. Die Stimmungen und die dazugehörenden Orte tauchten immer wieder in meinen Erinnerungen auf und ich bannte sie auf die Leinwand. Ich war selber davon überwältigt, wie sehr mich diese Thematik packte und ich malte beinahe wie im Rausch. Wenn ich dann kurz in die Küche ging, um mir einen Kaffee zu holen und zurückkam, dachte ich oft: Wow, habe wirklich ich das gemalt? Anfangs waren meine Bilder sehr abstrakt, im Laufe der Zeit wurden sie dann aber zunehmend figurativer. Es tauchten einzelne Segel auf und auch die Boote konnte man leichter als solche erkennen. Ich hatte nicht mehr soviel Spaß an abstrakten Malereien und es schien mir auch eher als eine Art Flucht anstelle von Auseinandersetzung und Darstellung des eigentlichen Themas. Es war eine Herausforderung für mich, moderne Bilder zu malen, die dennoch die einzelnen Elemente deutlich erkennen ließen. Wasser, Wellen, Segel, Boot und Bug, dass ist für mich ein irre spannendes Thema mit sehr viel Bewegung und Dynamik."

’Darauf haben die Leute nur gewartet’ versicherte er mir

Er fährt weiter fort: "Ich hatte vorher schon ein paar maritime Bilder gemalt. Mein Nachbar nannte meine Kunstrichtung mal scherzhaft 'Maritimisus'. Die weitere Entwicklung meines maritimen Stils basiert eigentlich auf einer Verkettung von Zufällen. Ein Bootshändler für teure, klassische Yachten aus Heeg meinte zu mir: 'Ich habe hier einen großen Verkaufsraum mit reichlich Platz – es wäre super, wenn Du hier ein paar Deiner Stücke ausstellen würdest.' Es gab eine Weihnachtsshow und ich durfte meine Arbeiten präsentieren. Es war nicht wirklich ein Erfolg, aber er lud mich ein, mit meinen Bildern eine Ecke auf seinem Messestand bei der Boot Düsseldorf einzurichten. ’Darauf haben die Leute nur gewartet’, versicherte er mir noch. Ich stand da eine Woche lang in der verkehrten Halle und zwischen den verkehrten Booten und verkaufte gar nix. Dennoch fand ich die Idee, an Messen teilzunehmen nicht verkehrt, vor allem, weil es auf dieser Börse eine eigene Abteilung für maritime Kunst gab. Ich fragte mich, warum es so etwas bisher noch nicht in Holland gegeben hatte und kontaktierte die Organisatoren von der HISWA in IJmuiden. Mittlerweile stehe ich ca. vier mal pro Jahr auf so einer Messe."

Bei maritimer Kunst denken die meisten Menschen an Museen mit in dunklen Tönen gehaltenen Gemälden alter holländischer Meister mit Frachtschifffregatten und Szenen von Seeschlachten. Mit maritimer Kunst wird eher etwas antikes und traditionelles verbunden.

"In der Tat”, erklärt Käller, "maritime Kunst hat viele traditionsgebundene Wurzeln. Beispielsweise haben traditionell orientierte Auftraggeber großen Einfluss. So ist die niederländische Marine ein wichtiger Förderer der klassischen maritimen Kunst. Die Marine lässt noch immer ihre 'Helden und Heldentaten' von Künstlern verewigen. Daneben gibt es viele traditionsbewusste Schiffbauer und Reeder, die gerne ihre Schiffe 'porträtieren' lassen. Sie interessiert vor allem, dass das Schiff imposant gemalt wird und leicht zu erkennen ist. Es gibt viele maritime Maler auf der ganzen Welt, die sich mit dieser Art zu malen über Wasser halten."

Wettkampfsegler

Die besten Steuermänner stehen an Land, heißt es sprichwörtlich. Gilt das auch für maritime Maler?

Marco Käller fährt fort: "Ich befürchte, dass es nur wenige maritime Maler gibt, die selber auch mal aufs Wasser kommen und eine Seefahrt machen. Meist machen sie die Bilder vom Land aus oder sie sitzen in einem Schlauchboot. Natürlich kann man auch vom Kai oder im Hafen maritime Motive malen, aber es ist einfach viel aufregender mit einem Boot mitten zwischen deinen Motiven zu schaukeln. Ich bin selber kein großer Wettkampfsegler, aber ich finde es toll, ab und zu an einer Regatta teilzunehmen. Es gibt nur wenige Künstler, die maritime Thematik mit einem modernen Stil verbinden. Vermutlich bin ich sogar der einzige in den Niederlanden. Mich reizen die Naturgewalten: die Kraft des Windes, die Luft, das Licht und das Wasser. Mich reizt auch die Dynamik, die diesen Gewalten innewohnt. Das Meer ist nie das gleiche, es verändert sich dauernd und ist immer voller Energie. Seit Jahrhunderten bauen die Menschen Schiffe, Segel und Instrumente um die Gewässer zu befahren. Mich fesseln nicht nur die Elemente, sondern vor allem auch das Spiel mit diesen Elementen und manchmal der Kampf gegen die Gewalten. Mich interessiert, was die Menschen bewegt, um dafür Dinge zu entwerfen und zu gestalten."

Maas-Waal Kanal

Was treibt nun eigentlich eine Wasserratte wie Sie nun eigentlich im Binnenland. Sollte das Atelier von Marco Käller nicht eher irgendwo an der rauen See stehen und nicht am ruhigen Maas-Waal Kanal in Malden?

"Da bin ich noch nicht ganz hinter gekommen", schmunzelt der Maler. "Praktisch gesehen wäre es schon angenehm, wenn ich am Meer wohnen würde. Hier in Malden bekommt man fast keine Boote zu sehen. Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch ganz egal wo man wohnt. Vielleicht werde ich durch die unregelmäßigen, dosierten Kontakte mit dem Meer sogar mehr inspiriert, als wenn ich Tag für Tag auf das Meer und die Schiffe starren würde. Vielleicht werden die maritimen Motive dann zu alltäglich und selbstverständlich. Dazu passt auch, dass ich selber nicht mal ein kleines Boot besaß, als ich mit meinen ersten Segelbildern begann. Damals hatten wir gerade unser Haus gebaut und für ein Boot war schlichtweg kein Geld mehr über. Ich male oft aus der Erinnerung heraus und das Thema Wasser und Schiffe fasziniert mich ungemein. Als ich vor ein paar Jahren ein schönes schlank geschnittenes Segelboot kaufte, sagte ein Freund von mir: 'Nun ist die Phase, in der du Segelschiffe malst wohl vorbei, nun, wo du deinen Wunsch nach einem Boot erfüllt hast. Ganz nach dem Motto: 'Vorfreude ist die schönste Freude'. Aber in diesem Fall ist das komplett anders. Das malen von Segelschiffen ist auch heute noch meine größte Leidenschaft. Ich will mich künstlerisch zwar weiter entwickeln, reisen und neue Eindrücke sammeln, aber dabei werde ich wohl immer die Nähe des Wassers suchen."